Wie ich 2 Jahre lang jeden Monat ein Kindervideo produzieren konnte

Ich produziere nun seit zwei Jahren jeden Monat ein Video von unserem Krümel. Die wenigsten können das hier sehen, weil wir keine Kinderbilder und -videos im Internet veröffentlichen. Aber jeder kann sich wohl etwas darunter vorstellen. Dieser Beitrag ist für alle, die selbst daran interessiert sind, kurze Filme von ihrem Kind zu machen, aber daran zweifeln, dass sie als Eltern die nötige Zeit dafür aufbringen können.

Wir veröffentlichen privat (für Verwandte und Bekannte) jeden Monat einen kurzen Film von 4 bis 6 Minuten Dauer. Der Film zeigt die besten Videoausschnitte aus dem vergangenen Lebensmonat unserer Tochter, unterlegt mit Musik.

Ausschnitt aus der Zeitleiste

Hier soll es erstmal nicht darum gehen, wie das Video veröffentlicht wird — dass wäre zu technisch. Es muss ja nicht unbedingt im Internet sein. Vielleicht wollt Ihr ein Video einfach auf dem Tablet mitnehmen oder per Dropbox-Link herum schicken.

Stattdessen soll dieser Beitrag zeigen, wie man ein sauber geschnittenes Video in akzeptabler Zeit erstellt — also keinen billigen Amateur-Mist, der ohne Anfang und Ende irgendwie zusammen geschustert wurde. Das will ja keiner sehen.

Was die wenigsten über Videobearbeitung wissen: Man braucht dafür sehr viel Zeit! Für jede Minute, die das Video später dauert, braucht man ungefähr 20 Mal so viel Zeit für die Bearbeitung. Das ist noch optimistisch geschätzt, das heißt, wenn man das Videoschnitt-Programm beherrscht und sich nicht mit technischen Problemen herumschlagen muss.

In den vielen Möglichkeiten, die selbst einfache Videoschnitt-Programme bieten, kann man sich sehr schnell verlieren. Die Menge des Videomaterials kann ebenfalls ein Problem sein: innerhalb eines Monats kommt da aus diversen Kameras einiges zusammen. Alleine das Aussortieren artet schnell in Arbeit aus.

Für die ersten Videos habe ich jeweils 6 bis 8 Stunden Zeit gebraucht — für 5 Minuten Film! Das hätte ich so auf Dauer nicht durchhalten können. Da ich nur die Abende und am Wochenende die Mittagsschlaf-Pausen dafür nutzen kann (man will ja auch noch Zeit mit dem realen Kind verbringen, nicht nur mit dem gefilmten), würde mich so ein Video sonst eine gute Woche beschäftigen. Nach knapp 20 Monaten hatte ich die benötigte Zeit auf ca. 1,5 Stunden reduziert — in wenig hin oder her, auch je nach Dauer — aber auf jeden Fall deutlich unter 3 Stunden. Das ist an einem Tag am Wochenende zu schaffen.

Zeitlichen Spielraum schaffen

Wichtig ist zuerst, dass man eine regelmäßige Aufgabe mit festem Termin aus der Videoproduktion macht. Andererseits braucht man auch ein wenig Spielraum, weil ein zu starrer Terminplan auf die Motivation drückt.

In den ersten zwei Jahren haben wir ein neues Video immer genau am monatlichen „Geburtstag“ unseres Krümels veröffentlicht. Der ist immer am 8. Tag des Monats. Damit ist es naheliegend, sich eine Woche Zeit zu nehmen.

Ich schaufle also zwischen dem 1. und 3. jedes Monats alle Videos von allen Handys und Kameras auf den Rechner rüber. Das ist praktisch, weil ich sie (ähnlich meiner Ordnerstruktur für Fotos) nach Monaten geordnet sammle. Die Videos und Fotos werden dabei auch gleich von den Kameras gelöscht, damit wieder Platz ist. Außerdem stoße ich ein großes monatliches Backup an, damit alles gesichert ist.

Anschließend bleibt mir bis zum 7. des Monats Zeit, das Video zu schneiden und es für die Veröffentlichung vorzubereiten. Weil das praktischerweise genau eine Woche ist, liegt darin immer ein Wochenende, an dem ich mir garantiert Zeit dafür nehmen kann.

Je nach Geburtstag des Kinds muss hier natürlich jeder seinen eigenen Rhythmus finden. Es ist aber wohl in den meisten Fällen eine gute Idee, ein Video vom vorangegangenen Kalendermonat zu produzieren.

Die richtige Software finden

Kurz gesagt ist jede Software die richtige, wenn

  • man damit gut klar kommt,
  • sie die verfügbaren Videoformate versteht und
  • sie das gewünschte Exportformat erzeugen kann.

Ob iMovie, Windows Movie Maker oder etwas kostenpflichtiges und dabei mehr oder weniger professionelles — das ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass Ihr damit zurecht kommt und Euer Ziel erreicht.

Ich verwende seit dem ersten Tag Aquasoft Diashow in der nicht ganz aktuellen Version 8. Das ist eigentlich kein reines Videoschnitt-Programm, sondern dient zum Erstellen von — na? — richtig, Diashows. Aber nicht nur Bilder lassen sich damit aneinander reihen, mit Musik unterlegen und als Video ausgeben, sondern eben auch Videos. Die Entscheidung fiel auf dieses Programm, weil

  • mir die Handhabung nach kurzer Eingewöhnungszeit gefiel,
  • es sehr viele Exportformate unterstützt (bis hin zur DVD oder Blu-ray mit Menü),
  • der Preis für eine so mächtige Software sehr vertretbar ist und
  • es meine Vorgehensweise durch eine bestimmte Funktion perfekt unterstützt — dazu gleich mehr.

Gleichzeitig hat es aber auch einen kleinen, nervigen Bug mit vielen Videos. Der hat mir aber unter anderem dabei geholfen, die Zeit für die Videoproduktion wie im Folgenden beschrieben drastisch zu reduzieren.

AquaSoft DiaShow 8

Der Trick um Zeit zu sparen:
Regeln festlegen

Also, wie lautet nun der Trick um ein Video statt in 8 Stunden in nur 1,5 zu erstellen? Nun, ganz einfach: Ihr müsst Euch in Euren Möglichkeiten einschränken.

Videobearbeitung dauert deshalb so lange, weil das Videomaterial gesichtet, aussortiert und geschnitten werden will. Dazu muss man jedes Video ansehen, um es beurteilen zu können. Wir haben in den ersten Monaten an die 3 Stunden Videomaterial (pro Monat) produziert, also gefilmt. Wenn man das alles durchsehen will, wird schnell klar, warum das so lange dauert. Inzwischen kommen wir noch auf ca. eine Stunde pro Monat, was immer noch genug ist (man filmt und fotografiert mit zunehmendem Alter des Kindes weniger). Ein Teil des Tricks ist es also, die Zeit für das Sichten des Videomaterials stark zu reduzieren.

Ein anderer Grund für den hohen Zeitaufwand sind die vielen Möglichkeiten, die Schnittprogramme bieten. Hier ein Effekt, da ein Übergang — und überhaupt könnte man das hier ja auch ganz anders machen. Auch das muss stark eingeschränkt werden. Aber mal der Reihe nach.

Alles tanzt nach der Musik

Worauf jedes Video aufbaut, ist ein Lied. Welches Lied das ist, bleibt Euch überlassen. Ich habe am Anfang immer etwas genommen, was aus der Zeit stammt, als unser Krümel auf die Welt kam. Das hat gleich den Vorteil, dass es die Erinnerungen an diese schöne Zeit stärker weckt. Irgendwann gingen mir diese Lieder aber aus und ich bin zu Musik übergegangen, die mir einfach gefällt und mir für ein Kindervideo passend erscheint. Zum Glück hat man ja eine große Sammlung.

Teil 1 der Einschränkung ist es, dass jedes Video nur so lang ist, wie die Musik. Wenn ich passendes Videomaterial habe, lasse ich das auch mal als Einleitung laufen und setze dann mit der Musik ein paar Sekunden später ein. Ebenso kann das Video auch noch ein paar Sekunden länger laufen, wenn die Stille am Ende passt. Aber das sind Ausnahmen.

Keinesfalls verwende ich ein zweites Lied oder lasse das erste und einzige mehrmals laufen. Es wird auch nicht mitten im Lied abgebrochen — das wirkt hochgradig unprofessionell.

Alles im Takt

Die oben beschriebene Funktion, die für meine Wahl von AquaSoft Diashow als Software entscheidend war, ist die Möglichkeit, Videos im Takt der Musik zu schneiden. (Man nennt sowas auch ein „Killer-Feature“, weil es damit alle anderen Programme aus dem Rennen wirft.)

Kurz gesagt lässt man das Video für die Dauer der Musik einmal laufen und tippt dabei im Takt alle paar Sekunden auf die Leertaste. Dabei werden Markierungen in der Zeitleiste eingefügt, an denen die Videos später ausgerichtet werden können.

Das ist sehr gut, weil es dem Film einen angenehmen Rhythmus verpasst, wenn alles im Takt der Musik erfolgt. Ob ein Video dann über einen, zwei oder mehr Takte gezogen wird, könnt Ihr später immer noch entscheiden. Wichtig ist nur, dass Ihr Euch immer nach dem Raster richtet.

Damit entfällt jede Überlegung, wie lang jeder Ausschnitt gezeigt werden soll. Bis auf gelegentliche Ausnahmen sind alle Videos gleich lang. Sobald die Takt-Markierungen gesetzt sind, wähle ich alle zuvor in die Zeitleiste gezogenen Videos aus und passe die Länge für alle gemeinsam an, bis sie grob in das Raster passen.

Je nach Geschwindigkeit der Musik ergibt das eine Aneinanderreihung aller vorhandenen Videos, von denen jeweils nur die ersten 5 bis 10 Sekunden zu sehen sind. Aus drei Stunden Videomaterial werden so mal eben 15 Minuten oder weniger.

Ausschnitte (nicht) wählen

AquaSoft Diashow hat einen kleinen Fehler, den ich als größten Kritikpunkt nennen könnte. Wenn ein Video nicht direkt ab dem Anfang gezeigt wird, sondern erst mittendrin startet, schleichen sich in der ersten Sekunde mehr oder weniger starke Bildfehler ein. Die kann man nur mit viel Glück und Geduld beseitigen, indem man die Startzeit im Millisekunden-Bereich anpasst. Das wurde mir schnell zu mühsam, also habe ich aus diesem Handicap eine Einschränkung gemacht, die meine Arbeit erneut beschleunigt.

Zu den zeitraubendsten Tätigkeiten beim Videoschnitt zählt das Finden des richtigen Ausschnitts eines Videos (dessen Länge ja schon durch den Takt der Musik vorgegeben ist). Dazu schaut man das Video immer wieder durch, bis man den besten Teil gefunden hat. Das kostet unheimlich viel Zeit.

Also habe ich schon zwei Gründe, das nicht mehr zu machen. Jedes Video wird vom Anfang gezeigt. Punkt. Man sieht also von jeder Aufnahme nur die ersten 5 bis 10 Sekunden. So umgehe ich den Programmfehler und muss nicht mehr jedes Video komplett durchsehen.

Das mag erstmal so klingen, als könne da nichts vernünftiges bei rüberkommen. Nicht jede Aufnahme hat ihre besten Momente in den ersten 10 Sekunden, sollte man meinen. Aber das stimmt scheinbar nicht — das Konzept geht erstaunlich gut auf!

In seltenen Fällen wähle ich doch mal einen späteren Ausschnitt eines Videos. Meistens erinnere ich mich dann aber noch an die Aufnahme und weiß, dass da gleich noch was besseres kommt. Oder das Video sieht vielversprechend aus. Manchmal muss man eben den besten Teil zeigen. Das Software-Problem löst man, indem man das Video etwas früher beginnen lässt und es bis zu seinem sichtbaren Start unter dem vorherigen Video versteckt.

Die Qual der Auswahl

Mit relativ wenig Aufwand haben wir bisher also nur das Tempo unseres Films bestimmt, alle verfügbaren Videos in die Zeitleiste gezogen und sie auf eine einheitliche Länge gebracht. Höchste Zeit, ordentlich auszusortieren.

Ich schaue mir der Reihe nach alle Videos (bzw. deren erste 5 bis 10 Sekunden) an und entscheide für jedes, ob ich es verwenden will oder nicht. Wenn nicht, wird es direkt entfernt, ansonsten bleibt es stehen. Wenn ich mir nicht sicher bin, lasse ich es ebenfalls stehen.

Wenn ich mit allen Videos durch bin, folgt ein zweiter Durchgang. Es sind wahrscheinlich immer noch mehr Videos vorhanden, als auf die Dauer der Musik passen. Da muss also noch was weg. Im zweiten Durchgang bin ich etwas wählerischer. Die Videos, bei denen ich mir vorher nicht ganz sicher war, müssen hier oft dran glauben. Außerdem fliegen Videos mit schlechter Qualität raus, auch wenn sie ansonsten vielleicht echt lustig wären.

Bei Bedarf folgt ein dritter Durchgang. Ich sortiere so lange aus, bis die verbleibenden Videos der Dauer der Musik entsprechen.

Währenddessen achte ich außerdem darauf, ob ich je ein Video finde, das sich besonders gut als Anfang oder Abschluss eignet. Die ziehe ich dann gleich an die entsprechende Position und passe sie entsprechend ein (die können auch etwas länger sein als der Rest und orientieren sich nicht zwingend am Takt der Musik).

Dieser Schritt ist und bleibt der zeitaufwendigste. Da kommt man einfach nicht drum herum.

Für Abwechslung sorgen: die Reihenfolge

Die übrig gebliebenen Videos werden anschließend noch sortiert. Man erkennt schnell Gruppen ähnlicher Aufnahmen, die man direkt nacheinander gemacht hat. Oft entstehen beim Spielen, Essen oder Rumblödeln mehrere Videos nacheinander, von denen auch nach dem Aussortieren nicht nur eines übrig bleibt.

Ich will nicht mehrere ähnliche Videos nacheinander zeigen, weil das langweilig ist. Stattdessen mische ich sie, wobei ich darauf achte, dass keine zwei Videos der selben Gruppe aufeinander folgen. Wenn ich also Aufnahmegruppen wie diese habe:

A A A B B B B C D D E E E E

mache ich daraus eher sowas wie das:

A B E A B C D E A B E D B E

Manchmal gibt es auch Videos, die sehr gut zu einer bestimmten Stelle der Musik passen — etwa ein ruhiger Mittelteil. Die lasse ich dann natürlich um jeden Preis an der passenden Stelle.

Keine Überblendungen nutzen

Womit man in allen Videoschnitt-Programmen konfrontiert wird: eine Vielzahl von Überblendungen zwischen den einzelnen Videos. Wischen, Umblättern, Rein- und Rausfliegen — da ist alles dabei. Auch damit kann man sehr viel Zeit totschlagen.

Das Lustige daran ist aber, dass die exzessive Verwendung solcher Überblendungen einen ganz entscheidenden Unterschied macht: Der Film wird damit aussehen, wie von einem Amateur gemacht. Nur ahnungslose Anfänger probieren jeden möglichen Effekt aus — weil das ja sooo cool ist.

Daher: Zeit sparen und keine Effekte verwenden — harte Schnitte zwischen allen Videos. So unterstützt das auch die Musik bestens. Einzig Anfang und Ende werden langsam ein- und ausgeblendet.

Ton aus (wenn nötig)

Der Ton von Videos, die mit Handys oder Digitalkameras aufgenommen wurden, ist in den meisten Fällen kaum brauchbar. Über eine halbwegs gute Stereoanlage wiedergegeben hört man auch als Laie die mindere Qualität der verbauten Mikrofone heraus.

Deshalb: Verschwendet keine Zeit mit dem Ton. Wann immer ich das Gefühl habe, den Ton des verbleibenden Videoausschnitts bearbeiten zu müssen — zum Beispiel weil stellenweise jemand reinquatscht — blende ich ihn einfach komplett aus. Was stört, kommt weg, was nicht stört, bleibt drin. Die Musik ist genug Ton für unsere Filme.

Titel drunter und ab damit

Zuletzt wird das Werk sozusagen signiert. Im letzten Video, bevor der Film abgeblendet wird, erscheint noch kurz ein Text, was das jetzt war (z. B. „Krümels 5. Monat“). Darunter außerdem von wem die Musik stammt, also Interpret und Titel. Das ist nur fair und erspart lästige Fragen.

Den Text habe ich einmalig eingerichtet und ihn seitdem beibehalten. Ich muss ihn nur inhaltlich ändern. Außerdem wechselt er je nach Bedarf die Position.

Fertig – Film ab

Zuletzt schaue ich mir den fertigen Film nochmal an und achte dabei darauf, ob es noch irgendwelche Unschönheiten gibt:

  • ungünstig verteilte Videos
  • falsche Schnitte
  • unerwünschte Geräusche
  • schlechte Qualität oder sonstige Fehler

Dann kann das Projekt auch schon in sein endgültiges Format exportiert werden, zum Beispiel als MP4, was von den meisten Geräten unterstützt wird. Das dauert schon mal eine halbe Stunde, benötigt ja aber auch keine weitere Aufmerksamkeit.


Durch diese starke Vereinfachung entsteht also ein Film — oder eher ein Musikvideo — in gerade mal 1,5 Stunden. Das ist auch ungefähr die Dauer eines Mittagsschlafs. Praktisch! Natürlich werdet Ihr diese Geschwindigkeit nicht von heute auf morgen erreichen. Mit diesen Tipps sollte es aber deutlich schneller gehen, als wenn Ihr das erst alles selbst herausfinden müsst.

Bei uns ist über die ersten zwei Jahre so eine Reihe von Musikvideos entstanden, die man sich als abendfüllenden Film oder Serie anschauen kann.

Ganz nebenbei lernt man auch noch, wie man die Videos von vornherein besser aufnimmt. Weil aller Voraussicht nach nur die ersten 10 Sekunden verwendet werden, macht man eher kürzere Videos und achtet verstärkt darauf, dass der Anfang möglichst nicht verwackelt ist. Gutes Ausgangsmaterial erleichtert die Arbeit später nochmal ungemein.

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