Tür zu(g)!

Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, dass er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grunde nicht!
Curt Goetz (1888 – 1960), deutscher Schriftsteller

Mit diesem komischen Zitat will ich mal die Meckerecke wiederbeleben. Ich meckere ja gerne und viel. Meckern erleichtert. Es ist nicht immer konstruktiv, aber das soll es auch gar nicht sein. Manchmal muss man einfach meckern, damit es nicht ignoriert wird.

Tür auf, Tür zu, Tür auf, zu, auf zu auf zuHeute meckere ich über Türen; genauer gesagt über Türen bei der Deutschen Bahn und alles, was damit zusammen hängt. Wer regelmäßig mit dem Zug fährt, wird sich hier sicher wiederfinden.

Normalerweise haben Türen zwei Zustände: geöffnet und geschlossen. Bei der Bahn haben Türen sechs Zustände:

  • geöffnet
  • geschlossen
  • sich automatisch permanent öffnend und schließend
  • sich durch Zugbewegungen willkürlich öffnend und schließend
  • abweisend gegenüber beabsichtigter Zustandsänderung durch einen Benutzer
  • defekt

Besonders schlimm sind die klassischen manuellen Doppeltüren in den Regionalzügen. Manchmal braucht man so viel Kraft, die zu öffnen, dass man besser nicht als Kind oder Rentner allein unterwegs ist.

Die wohl größte Fehlkonstruktion sind aber die automatischen Schiebetüren zwischen den Abteilen der etwas neueren Wagons. Man öffnet sie, indem man beginnt, sie am Griff manuell aufzuschieben. Das registriert die Tür und öffnet dann vollends automatisch. Nach ein paar Sekunden schließt die Tür wieder automatisch. Klingt toll, ist es aber nicht. Versucht man die Tür von Hand zu schließen, lässt sie sich keinen Millimeter bewegen! Wer das nicht kennt, denkt sich doch irgendwann auch „Ja, Dreck hier, dann lasse ich Türen in Zukunft eben offen.“ Das ist Mist — ich habe ein Problem mit Leuten, die von Abteil zu Abteil latschen und dabei die Türen offen lassen!

Aber noch besser: während die Tür in Bewegung ist, lässt sie sich davon nicht abbringen, bis dieser Vorgang abgeschlossen ist. Wenn die Tür vor einem zu geht, wenn man schnell raus will, versucht man sie natürlich offen zu halten. Das gelingt bestenfalls, wenn man den Fuß rein klemmt und sich dann mit aller Macht dagegen wehrt, dass der verbleibende Spalt noch kleiner wird. Mehrmals pro Woche sieht man ahnungslose Fahrgäste an dieser Mechanik verzweifeln. Man muss die Tür sich komplett schließen lassen und kann sie dann erst wieder öffnen. Blöd, wenn man es eilig hat. Ich warte nur auf den Tag, an dem mal ein Schüler so ungünstig steht, dass die sich schließende Tür genau zwischen Rücken und Schulranzen rein fährt. Der ist dann absolut festgenagelt. Wer konstruiert so einen Scheiß?

Los, alle rein da! Nein raus! Rein! Raus! Aber wir waren zuerst da!Ganz toll ist das auch, wenn der Zug im Bahnhof ankommt. Wenn da auch nur vier Leute aussteigen wollen, ist die Chance ziemlich hoch, dass die nur einen Flügel der Doppeltür öffnen. Und dann fließt das alles langsam durch die eine Tür ab und draußen stehen auch nochmal drei Leute, die dann mit ihren Koffern alle durch die eine Tür einsteigen. Nein, wozu auch die andere Tür öffnen!? Und sich dann im nächsten Moment über die Verspätung beschweren.

Und zu guter Letzt natürlich der Klassiker. Der Zug fährt ein und draußen am Bahnsteig sammeln sich die Leute um die Türen herum an, weil sie einsteigen wollen. Geht aber nicht, weil drinnen die im Weg stehen, die raus wollen. Ich habe da immer wieder diese Vorstellung von einem Zug, der stundenlang im Bahnhof steht, mit offenen Türen. Draußen stehen Leute und blicken erwartungsvoll durch die Tür zu denen im Inneren, die wiederum erwartungsvoll auf die Leute draußen schauen. Dieser Moment, bis die draußen kapieren, dass sie zur Seite gehen müssen, damit es irgendwie weiter geht — eingefroren — herrlich. Das ist der Moment, in dem sich die Evolutionstheorie bestätigt. Spätestens da ist bewiesen, dass das Zitat oben gar nicht so falsch ist.

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