Mehr über Schaumstoff und Bass

Ich wollte noch mehr darüber schreiben, was die fetten Schaumstoffwürfel in den Ecken des Kinos zu bedeuten haben. Sowas sieht man ja nicht jeden Tag. Und eigentlich will man die auch nicht sehen, weshalb sie hinter irgendwas versteckt werden müssen – in diesem Fall hinter Vorhängen. Es gibt sie auch in „schöner“, aber auch dann taugen sie nicht wirklich zur Dekoration, sind dafür aber dreimal so teuer.

Kantenabsorber in den Raumecken
Kantenabsorber in den Raumecken

Diese Schaumstoffwürfel sind genauer gesagt keine Würfel, denn sie haben ein rechtwinkliges Dreieck als Grundfläche. Die rechtwinklige Ecke zeigt dabei in den Raum hinein, anstatt in die Raumecke, weshalb sie gleich doppelt so viel Platz wegnehmen und schlechter zu verstecken sind. Diese Kantenabsorber (weil sie an den Kanten des Raums stehen) bestehen aus porösem Akustik-Melaminschaum und absorbieren aufgrund ihrer Größe und Beschaffenheit sehr gut mittlere Frequenzen. Die kurzen Kanten sind in diesem Fall 42 cm lang; zwei Stück füllen die Raumhöhe von 220 cm genau aus.

Wie ich schon erwähnte, werden die hohen Töne im Raum sehr gut von Vorhängen und Teppich geschluckt. Auch die Polster der Stühle helfen dabei mit, und nicht zuletzt die Personen, die sich im Raum befinden. Der deutlich hörbare Nachhall ist damit vollständig weg. Einzig zwischen der linken und rechten Wand, die nur die Beschichtung aus Baumwollputz hat, gibt es noch Flatterechos – deutlich hörbar wenn man die Hülle einer DVD mit einem Klicken schließt. Im normalen Filmbetrieb fällt das aber nicht sehr stark auf.

Bei tiefen Tönen verhält sich der Schall dummerweise anders. Die Wellenlängen tiefer Frequenzen sind logischerweise größer, und deshalb gehen sie durch Vorhänge und Teppich einfach unbeeindruckt hindurch und werden von der dahinter liegenden Betonwand reflektiert. Auf dem Rückweg überlagern sie sich auch noch mit den nachfolgenden Wellen, weshalb der Ton dann an manchen Stellen im Raum doppelt so laut zu hören ist und an anderen Stellen gar nicht. Man spricht hier von stehenden Wellen – und das war nur die Kurzfassung davon. Das Ergebnis ist starkes Dröhnen (von Nachbarn gefürchtet) oder völlige Auslöschung der Bässe (von Kinofreunden gefürchtet). Sehr deutlich hört man den Effekt, wenn man bei einem gleichmäßigen Ton zwischen 50 und 120 Hz im Raum herumläuft. Die Beschaffenheit des Raums, besonders dessen Abmessungen, spielen dabei eine besonders große Rolle, ebenso wie die Position der Schallquelle in diesem Raum. Aufgrund der unterschiedlichen Wellenlängen verhält sich das natürlich auch für jede Frequenz anders. Aber was hat das jetzt mit Schaumstoff-Ecken zu tun?

Eine Eigenschaft der Ausbreitung von Schallwellen in geschlossenen Räumen ist, dass sie sich in den Ecken häufen. Das liegt einfach daran, dass in den Ecken zwei Wände zusammen laufen, an denen der Schall kurz nacheinander reflektiert wird, ohne erneut den Raum durchqueren zu müssen. Deshalb ist alles ein wenig lauter, wenn man in einer Ecke steht – ganz besonders der Bass. Somit ist das die beste Position, um möglichst viel davon abzufangen. Und nebenbei stehen die Dinger dort nicht im Weg rum.

Aufstellung eines Kantenabsorbers in einer EckeDie Kantenabsorber stehen verkehrt herum in den Ecken, damit sie etwas mehr Abstand von der Wand haben. Die Wirkung wird dadurch verstärkt. Das hat etwas mit der Schallschnelle zu tun, die mit etwas Abstand von der Wand ihr Maximum hat. Genau dort müssen die Wellen abgefangen werden. Je weiter der Absorber von der Wand weg steht, desto tiefere Töne kann er absorbieren. Naja, so genau kann ich das nicht erklären, da müsst ihr schon einen Akustiker fragen. Man findet im Internet jede Menge Infos darüber.

Der positive Effekt von Kantenabsorbern wird schon hörbar, wenn man zwei Ecken raumhoch damit voll stellt. Je nach Größe braucht man dafür normalerweise vier Absorber. Vermutlich sollte man mit den hinteren Ecken anfangen, weil der Schall dann einmal durch den Raum durch ist und geschluckt werden kann. Auch die halbe Raumhöhe bringt schon etwas, aus meiner Sicht ist der Effekt aber nicht groß genug, um die Kosten und optischen Nachteile aufzuwiegen. Wohnraumtauglich sind Kantenabsorber definitiv nicht. Richtig deutlich hört man den Unterschied, sobald alle vier Ecken raumhoch mit Absorbern ausgestattet sind.

Das Dröhnen in der Nähe der Ecken und an den Wänden, insbesondere bei bestimmten Frequenzen, bekommt man damit allerdings auch nicht ganz weg. Dazu müsste man noch deutlich mehr Aufwand betreiben. Insgesamt werden die Unterschiede zwischen zu viel und zu wenig Bass aber gut ausgeglichen. Der Bass verteilt sich gleichmäßiger im Raum, Basslöcher und Dröhnen werden reduziert. Die Problemfälle nimmt man nur bei gleichmäßigen Testtönen bewusst wahr. Für normalen Filmton und besonders für Musik ist die Wirkung aus meiner Sicht völlig ausreichend.

Für weitere akustische Verbesserungen, nicht nur im Tieftonbereich, sind auch Absorber an den Wänden eine gute Wahl. Darum werde ich mich später mal kümmern. Auch dafür gibt es das Rohmaterial bei den oben genannten Herstellern. Weil es aber an den Wänden nach was aussehen muss, habe ich noch einen Geheimtipp:

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