Projekt Heimkino kann beginnen

In den letzten Wochen hat mich die Planungswut gepackt. Nach zweieinhalb Jahren in den eigenen vier Wänden soll endlich auch der letzte unfertige Raum ausgebaut werden: das Heimkino. Die Technik ist ja größtenteils schon vorhanden und hat bereits vor über 10 Jahren in der elterlichen Wohnung an die Wände gewummert. Das war alles gut und schön, aber diesmal habe ich einen eigenen Raum nur für das Kino zur Verfügung. Es war schon ganz witzig, wie oft jemand auf dem Bauplan vom Haus „Kind“ statt „Kino“ gelesen hat und sich dann fragte, was für Rabeneltern ihr Kind in einen Kellerraum ohne Fenster stecken.

Ich werde jetzt also hin und wieder mal vom Kinobau berichten. Als kleine Warnung vorweg: könnte teilweise etwas technisch werden. Vielleicht helfen die Artikel dem einen oder anderen Interessierten da draußen, die richtigen Ideen für sein eigenes Kino zu finden.

Bauplan für das HeimkinoWie es sich gehört habe ich natürlich erstmal einen Plan gebastelt, wie das alles aussehen soll. Den gibt es hier auch nochmal als PDF für mehr Details. Der Raum wurde so gut wie möglich eingeplant – für mehr als drei Personen wird es zwar etwas eng werden, aber so viele gucken da ja normalerweise nicht. In fast alle Richtungen gibt es nur Beton, was ziemlich viel Lärm abfängt, damit die lieben Nachbarn nicht gestört werden. Nur die Innenwand ist aus dünnem Ytong, aber wenn der Hobbyraum ein wenig mitbeschallt wird, ist das halb so schlimm. In der einen Ecke verläuft leider der Kamin, was sich beim Bau nicht vermeiden ließ. Die dadurch entstandene Nische lässt sich aber ganz gut zum Verstecken von allem möglichen technischen Kram nutzen.

Bei einem Kino gibt es natürlich das eine oder andere akustische Problem zu lösen. Das kennt man ja: leerer Raum hallt, und das ist so ziemlich das Schlechteste für ein Kino. Sobald man darauf zu sprechen kommt, muss komischerweise immer jeder an Eierkartons denken. Und das nächste Wort ist dann immer gleich Schalldämmung, dabei sind Eierkartons für Schalldämmung eigentlich gar nicht so besonders gut geeignet. Schalldämmung heißt, dass man den Schall, der aus dem Raum nach außen dringt, verringern will. Dem Nachbarn zuliebe. Das lässt sich nur durch pure Masse erreichen, also zum Beispiel Beton. Oder durch doppelte Wände. Das ist aber oft das kleinere Problem, oder man kann sowieso nichts daran ändern. Das eigentliche Problem – der Nachhall im Raum – in den Griff zu bekommen, erfordert Maßnahmen zur Schallabsorption. Und dazu taugen Eierkartons noch weniger.

Der Kinoraum im Rohbau
Der Kinoraum im Rohbau

Zur Schallabsorption eignen sich zunächst mal Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel. Das kennt man ja auch von der eigenen Wohnungseinrichtung. Weil ein Heimkino aber an sich ziemlich leer bleibt, muss man hier alles mitnehmen, was geht – eben die genannten Sachen. Leider hilft das alles aber nur bei höheren Tönen. Filme enthalten aber auch jede Menge tiefe Frequenzen, der berüchtigte Bass. Und da wird es dann kompliziert. Jeder Raum hat abhängig von seiner Größe bestimmte Problemfrequenzen, die an verschiedenen Stellen im Raum schwanken – nämlich zwischen gar nicht hörbar und doppelt so laut. Das liegt einfach daran, dass Schallwellen bei tiefen Tönen länger sind, an den Wänden reflektiert werden und sich danach entweder überlagern oder gegenseitig auslöschen. Das Ergebnis ist meistens ein dröhnender, unangenehmer Bass. Da steckt man erst einen Haufen Geld in die Geräte, die den fetten Bass erzeugen, und kann anschließend nochmal so viel investieren, um eben diesen wieder abzufangen, damit er nicht unkontrolliert im Raum herumgeistert. Na toll! Dazu dienen dann die fetten Dreiecke in den Raumecken, aber was es damit auf sich hat, erkläre ich später mal. Der Testlauf mit der Technik im leeren Raum hat jedenfalls gezeigt, dass hier einiges zu tun ist.

Für den Anfang habe ich mal einen Elektriker aus dem Ort kommen lassen, der Schlitze und Löcher in die Betonwände fräsen konnte (bzw. sich nicht zu fein für diese Arbeit war). Das ging ziemlich flott mit seiner netten kleinen Säge da. In einer Stunde hat er das geschafft, wofür ich sonst wahrscheinlich einen Monat gebraucht hätte. In die Schlitze und Löcher kamen Dosen und Leerrohre für ein paar Kabel (Beleuchtung und Boxen). Dabei durfte ich feststellen, was für eine nervige Arbeit das Eingipsen von Leerrohren ist. Also für mich jedenfalls. Das Zeug will einfach nicht so wie ich. Aber es hält und alles sitzt am richtigen Fleck.

Meinen alten Fernseher habe ich heute auch losbekommen. Das war ein bisschen so, wie wenn man ein Auto verkauft, das einen jahrelang treu durch die Gegend kutschiert hat. Naja, war ein gutes Gerät, so mit flacher Röhre und allem Schnickschnack, aber eben nicht mehr zeitgemäß für HD-Filme. Und dann waren da noch diese roten Streifen quer durchs Bild und der kaputte Scart-Anschluss. Alleine die Abmessungen und das Gewicht machen so ein Gerät eigentlich untragbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Also ab zur Sperrmüllbörse damit und gegen eine Flasche Wein eingetauscht. Das ist ja schon praktisch, wenn man etwas los werden will, das sich nicht zu verkaufen lohnt – schon alleine, weil man es nicht verschicken kann – das aber zu schade zum Verschrotten ist. Aber was da immer für Leute kommen, oder besser: womit die kommen! Wäre das Auto nur noch ein Stückchen kleiner gewesen, hätte nicht der Fernseher ins Auto sondern das Auto in den Fernseher gepasst.

Als nächstes geht es darum, die Wände zu verspachteln oder zu verputzen. Hauptsache glatt. Mal sehen was unser „Hausmeister“ dazu sagen wird.

4 Gedanken zu „Projekt Heimkino kann beginnen

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