Die Sache mit der Mehrsparteneinführung

MehrsparteneinführungDas ist unsere Mehrsparteneinführung. Es gibt viele Mehrsparteneinführungen, aber diese gehört uns. Eine Mehrsparteneinführung ist etwas ganz besonderes. So besonders, dass nicht einmal Wikipedia etwas darüber zu berichten weiß, außer vielleicht, dass sie auch Mehrsparten-Hauseinführung genannt wird.

Die Mehrspartenhauseinführung ist jenes Teil eines Hauses, durch das Strom, Wasser, Gas, Telefon und Breitbandkabel (früher auch Fernsehkabel oder einfach nur Kabel genannt) hinein gelangen. Es muss also nicht für jeden Anschluss ein extra Loch gebohrt werden, sondern alles geht an einer Stelle durch etwa 30 cm Wand. So ist das alles schön aufgeräumt und sogar noch etwas billiger. Aber was ist denn nun wirklich so toll an der Mehrsparteneinführung? Na ganz einfach: Jeder will eine haben, aber keiner will dafür verantwortlich sein. Mehrsparteneinführung bauseits nennt sich das dann. Und so lief das ganze ab:

  • MehrsparteneinführungUnser Bauträger, Huber Massiv Haus, teilte uns während der Planung mit, dass wir uns erkundigen müssten, woher wir eine Mehrsparteneinführung bekommen. Wo wir uns erkundigen können, wusste aber niemand zu sagen.
  • Der für das Grundstück zuständige Herr der Gemeinde Rechberghausen wollte für Fragen zur Baudurchführung nicht zuständig sein und verwies uns an irgend eine Firma.
  • Diese jene Firma wusste immerhin, was eine Mehrsparteneinführung ist, gab aber an, für den Einbau einer solchen nicht zuständig zu sein. Stattdessen wurden wir wieder woanders hin verwiesen, wo man aber noch weniger Ahnung davon zu haben schien. Sackgasse.
  • Gleichzeitig erwähnte die EnBW in ihrem Angebot zur Herstellung eines Hausanschlusses (Strom, Telefon, Kabel) beiläufig, dass eine Mehrsparteneinführung, sofern bauseits vorhanden, für den Anschluss genutzt werden könne.
  • Die ersten wirklich nützlichen Informationen erhielten wir von der EVF in ihrem Angebot zur Herstellung des Gasanschlusses. Demnach ist eine Mehrsparteneinführung über die Firma Hauff-Technik zu beziehen. Ein Lichtblick!
  • Der freundliche Kundenberater bei Hauff-Technik informierte uns über die unzähligen verschiedenen Arten von Mehrsparteneinführungen, jedoch auch über die Tatsache, dass Hauff zwar jene Teile herstellt, nicht jedoch einbaut. Zudem brauchten wir noch weitere Informationen, um das richtige Produkt bestellen zu können.
  • Zwischendurch meldete sich ein freundlicher Herr einer ganz anderen Firma bei uns, der im Auftrag der EnBW den Strom anschließen wollte, um zu erfahren, an welcher Stelle des Hauses denn die Mehrsparteneinführung sein würde.
  • Bei Huber konnten wir Informationen über Material und Stärke der Kellerwand erfragen. Hier erfuhren wir auch, dass diese ganze Organisation deshalb normalerweise nicht vom Bauträger übernommen wird, weil das in der Vergangenheit häufig zu Problemen mit den verschiedenen Firmen führte, die aus irgendwelchen Gründen die Anschlüsse verweigerten. Zudem gibt es diese Probleme wohl nur im Kreis Göppingen.
  • Ein Außendienstmitarbeiter der EVF, den wir auf einem Umweg über die Sekretärin, unseren beurlaubten Ansprechpartner sowie den ihn vertretenden Kollegen erreichten, teilte uns mit, dass die EVF keine Mehrsparteneinführungen einbaut (bauseits!) und dass der Gasanschluss wohl einer mit 40 mm Gewinde sei.
  • Unser Ansprechpartner bei der EnBW teilte uns mit, dass die EnBW keine Mehrsparteneinführungen einbaut (bauseits!!!).
  • Mit den gesammelten Angaben konnte der Berater der Firma Hauff-Technik das Produkt ausfindig machen, welches wir benötigten. Wir konnten endlich schnell und unkompliziert bestellen! Offen blieb für uns die Frage, ob wir das Ding jetzt mit bloßen Händen durch die Wand rammen sollten.
  • Herr Huber höchstpersönlich erklärte sich schließlich bereit, die Mehrsparteneinführung für uns einzubauen. Dafür war eine 200 mm Kernbohrung notwendig. Die Sekretärin erklärte sich außerdem bereit, die notwendigen Termine auf der Baustelle mit der EVF und dem Herrn, der im Auftrag der EnBW den Strom anschließen würde, abzustimmen. Schließlich wollten wir vermeiden, dass nachher einer sagt, er könne seine Leitung da nicht anschließen und müsse ein eigenes Loch bohren.

GasleitungUnd so sieht das dann fertig von außen aus. Auf den Bildern sind Gas und Wasser bereits angeschlossen. Der Wasseranschluss war übrigens der unkomplizierteste von allen. Ein Anruf bei der Wassermeisterei der Gemeinde und der Schlauch war drin. An dieser Stelle möchten wir uns nun bei allen bedanken, denen wir in den vergangenen Wochen mit unserer Mehrsparteneinführung ein wenig auf die Nerven gegangen sind. Wir versprechen, dass wir so schnell keine mehr wollen. Und falls das hier jemand liest, der ebenfalls im Kreis Göppingen eine Mehrsparteneinführung für sein Haus organisieren soll: Einfach melden! Wir haben damit ein wenig Erfahrung.

14 Gedanken zu „Die Sache mit der Mehrsparteneinführung

  1. Sehr interessant so ne Mehrsparteneinführung… ihr dürft aber nicht die Mehrspartenausführung vergessen,
    weil der benutze Strom und das benutzte Wasser muss ja auch wieder raus! 😉

  2. Hallo Kinder !
    Ein wahnsinnig interessanter Bericht. So ein Hausbau ist lustig……..so konnte ich doch heute auch Freudentränen vergießen 🙂

  3. Und wo verläuft die Leitung von der Zisterne ins Haus? Gibt es auch Mehrspartenhauseinführungen mit 5, 6, oder mehr Löchern? Was passiert, wenn KabelBW in einer späteren Zeit auf Glasfaserkabel umstellt? Fragen über Fragen. Da erscheint die Odyssee des legendären Buchbinders Wanninger wie ein Kinderspiel. Aber toll, wie Ihr das alles so schafft!

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  4. Schon komisch, dass ich beim googeln nach ner „Mehrsparteneinführung“ in Rechberghausen rausgekommen bin… (wir sind von Bopfingen :-)) Laut meinem Architekten macht das seit ca. 1 Jahr die EnBW, die vertreiben anscheinend diese Dinger… aber ob sie sie auch einbauen… das liebe Leser, weiß ich momentan selber noch nicht!

    1. Tja, ich habe mich da richtig ins Zeug gelegt, um mit der Mehrsparteneinführung auf Platz 1 zu kommen. Leider ist das nach der Mehrspartenhauseinführung nur der zweitbekannteste und weitaus seltener verwendete Begriff. Wobei – wenn wir uns jetzt hier in den Kommentaren noch ein paar Tage lang über Mehrspartenhauseinführungen unterhalten, könnte das ja noch klappen. 😉

      Wenn das die EnBW jetzt neuerdings macht, dann sicher deshalb, weil ich vor ziemlich genau einem Jahr dort nachgefragt habe. 😀

  5. Aber echt… möchte echt nicht wissen, was ein bauunkundiger glaubt, was eine MehrspartenHAUSeinführung sein könnte… da gibts sicher tausende von Versionen….

  6. Hallo….
    Dann schicke ich mal Grüße von Adelberg nach Rechberghausen 😉
    JA ich habe gerade dasselbe Problem. Wir bauen ein Haus und niemand kann mir sagen wie es mit den Hausanschlüssen läuft bzw. wie da die Vorgehensweise ist. Die Bautiger scheinen es nicht zu wissen..die energieversorger machen holprige und nicht fachgerechte Aussagen usw. Ich bin entsetzt..weil doch das Thema Hausanschluß bei Neubauten eine Standardfrage sein muß? Auf einen Mehrspartenanschluß hat uns noch gar keiner Aufmerksam gmacht..was aber für mich die logischste Lösung wäre…einmal Graben alles rein..wieder zu.

    Ich wäre sehr dankbar wenn man mir ggf. eine Firma im Göppinger Raum nennen könnte die möglicherweise alles abwickelt und den Mehrspartenanschluß einbaut. Bzw. wie man denn nun am Besten bei den Hausanschlüssen vorgehen sollte. 😉

    Vielen Dank für Eure Hilfe und diesen wirklich gelungenen Blog.

    1. Hallo Timo,

      es lohnt sich auf jeden Fall dann, wenn man auch Gas und Kabel ins Haus legen lässt. Ersteres hängt natürlich von der geplanten Heizung ab, aber Kabel würde ich, sofern vorhanden, auf jeden Fall reinlegen lassen, auch wenn man es nicht will. Was drin ist, ist drin – und es nachzurüsten wird richtig teuer. (Und abgesehen davon würde ich Kabel in jedem Fall bevorzugen; gibt hier in BW einfach nichts besseres.) Wenn eines davon nicht gebraucht wird, könnte man anfangen zu rechnen, weil es dann möglicherweise insgesamt teurer wird, als wenn jede Firma ihr eigenes Loch bohrt. Wenn man kann, sollte man die Mehrkosten aber in Kauf nehmen, weil man dann eben für alles gerüstet ist und einen zentralen Punkt hat, wo alles rein kommt.

      Bestellen kann man das gute Stück wie schon geschrieben telefonisch bei Hauff-Technik. Die beraten sehr gut, weil man je nach Haustyp was anderes braucht (ohne Keller braucht man zum Beispiel eine spezielle Bodeneinführung). Die wollen wissen, für welches Material (normalerweise ja Beton) und wie dick die Wand ist (um die 30 cm, bei Baufirma erfragen oder messen) und was für eine Gasleitung durch soll (bei Wohnhäusern war das irgendwas mit 40 mm und Gewinde oder so – so ein gelber, schwerer Metallprügel wie auf dem Bild). Geliefert wurde sehr unkompliziert innerhalb einer Woche auf Rechnung als größeres Paket.

      Im Haus braucht man dann eine Kernbohrung durch die Wand, vermutlich 200 mm. Die Baufirma sollte das ggfl. gegen Aufpreis anbieten können, obwohl ich der Meinung bin, dass sowas bei schlüsselfertigem Bauen gefälligst dabei zu sein hat. Wegen der Position machen manche Firmen dann angeblich Probleme, konnte ich aber nicht feststellen. Die Mehrspartenhauseinführung sollte natürlich direkt in den geplanten Technikraum gehen, damit im Haus möglichst wenig Leitungen verlegt werden müssen. Sie sollte wenigstens einen halben Meter von den Ecken des Raums entfernt sein, damit genug Platz zum Verteilen der Leitungen ist. Von außen gesehen sollte sie möglichst nah an der Stelle sein, wo Wasser, Strom und Gas unter der Straße raus kommen, um wenig buddeln zu müssen. Die Höhe hängt wahrscheinlich von den Gegebenheiten des Grundstücks ab. Es gibt da wohl aber eine Vorschrift für Strom oder Gas, dass die Leitungen mindestens 80 cm unter der Erde verlaufen müssen (bei Anbietern nachfragen bzw. in deren Unterlagen suchen). Wenn man bei uns im Keller steht, ist sie ungefähr auf Bauchhöhe.

      Ich hoffe das hilft erstmal weiter. Ich kann versprechen, dass man nachher darüber lachen wird. 😉

      Grüße zurück nach Adelberg!

  7. Hallo liebe Häuslebauer,

    wir beschäftigen uns momentan mit dem Mysterium „Hausanschlüsse“ und es ist doch irgendwie beängstigend, dass keiner so wirklich Ahnung zu haben scheint oder man von Kundenservice nicht mehr viel hält.

    Wieviele Häuser werden jährlich gebaut??
    Sind wir tatsächlich die einzigen Bauherren, die sich Strom, fliessend Wasser und einen Telefonanschluss in den künftigen 4 Wänden wünschen??

    Von der EnBW wurden wir an die EVF verwiesen und ich bin wirklich gespannt, ob man uns hier zu einem Mehrspartenanschluss beraten kann.

    Viel Geduld und Glück für alle Bauherren :o)

  8. Hausbau… das letzte große Abenteuer im 2.0 Zeitalter.

    Auch wir kämpfen mit dem Thema Mehrsparteneinführung, ENBW und der Logistik von allem.
    Und immer wenn ich denke, jetzt kann nix mehr kommen, kommt der nächste Kalauer.

    Und wir scheinen auch die 1. Hausbauer zu sein, die so crazy sind,
    das sie eine Terassenschiebetüre zur Terasse bestellen,
    und diese von der Terassenseite aus auch zuschieben möchte!

    Wie kommt man denn auch auf SO eine unverfrohrene Idee,
    eine Terassen Schiebetüre von außen zuzuschieben…

    Dieser Hausbau kostet mich noch die Leber….
    Viel Glück an alle zukünftigen Bauherren 🙂

  9. Na das baut mich auf ?2017 und es sollte sich doch mittlerweile was geändert haben. Aber es erscheint immer noch änlich!
    Auch ich bin der Meinung das so ein Teil zum verdammten Baustandard gehören sollte! Aber wir stehen vor änlichen Problemen. Aus meiner Sicht wäre das etwas was generell von der Hausbaufirma übernommen werden sollte und meiner denkensweise nach deutlich einfacher wäre als überall einzelne Löcher zu bohren.
    Scheint sich immer noch recht wenig getan zu haben.

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